Grafik und Text aus natur 1/90 übernommen
Noch immer nehmen die ökologischen Probleme zu. Der austroamerikanische Physiker Fritjof Capra sieht sie als „Facetten einer einzigen Krise, die auf überkommenen Werten beruht“. Zum Beispiel fertigte er eine Karte von der „Interdependenz der Weltprobleme“ an.
Das Netz der Weltprobleme 1990-2000 *
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* Keine der globalen Umweltgefahren steht für sich allein. Jedes der Problemfelder ist mit allen anderen vernetzt. In Wahrheit jedoch ist das Beziehungsgeflecht der großen Umweltkrisen noch viel dichter, als auf Capras Karte dargestellt. (natur 1/90) Leider lässt sich das hier nicht dreidimensional darstellen. dst.
Die Welt - ein komplexes, vernetztes System. Jedes Teilsystem beeinflußt die anderen Teilsysteme, durch Rückkopplungen stellen sich neue Gleichgewichtszustände ein. Auch die großen Problemkreise unseres Planeten sind miteinander vernetzt. Fritjof Capra (…) unternahm den Versuch, die verschachtelten Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu schematisieren. Dazu entwickelte er eine eigene Theorie. In der Meeres- und Luftverschmutzung, der Zerstörung der Regenwälder, dem immer krasser zutage tretenden Unterschied zwischen Arm und Reich, dem atomaren Wettrüsten und den vielen blutigen Konflikten in der Welt macht Capra unterschiedliche Facetten einer zentralen Krise aus: Veraltetes Denken, überkommene Werte bestimmen den Gang der Entwicklung. Die großen ökonomischen, sozialen und ökologischen Probleme haben ihre Ursache in einem selbstgerechten menschlichen Wertesystem, in dem Expansion, Konkurrenz, Unterdrückung und Ausbeutung die beherrschenden Handlungsmaximen sind.
Capra legt sein Schaubild, (es beruht auf dem State of the World Report 1988 des US-amerikanischen Worldwatch Instituts) nach Art einer Weltkarte an: Die einander beeinflussenden Krisenerscheinungen und Problemfelder erscheinen als faszinierendes Logogramm. Einer der Krisenschwerpunkte ist der wirtschaftliche Wildwuchs und die ungestüme Industrieproduktion, die eine Kettenreaktion von Zivilisationsschäden wie die Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft, den Ozonabbau oder den Treibhauseffekt nach sich ziehen. Demgegenüber steht die Armut der „Dritten Welt“ an der Spitze eines Problemberges. Er baut sich aus Bevölkerungswachstum, Übernutzung der Lebensgrundlagen, Rodung der Wälder, Bodenerosion, Wüstenbildung und Versteppung auf.
Die Ausbeutung nicht emeuerbarer Energiequellen stellt einen weiteren Brennpunkt der Krisenschemas dar; sie ist mit dem Treibhauseffekt und dem Artensterben verflochten.
Im Zentrum des Weltdesasters indes finden sich die falschen Ideologien. Ihre Folgen: Wettrüsten, übersteigertes Wachstum und Energieverschwendung. Wie die Fäden im Spinnennetz ziehen sich die Verbindungslinien von hier aus hin zu den weiteren Problemfeldern unserer Welt.
Doch so kompliziert das Schaubild auch erscheinen mag - die ganze Wirklichkeit enthält es nicht. Fehlentwicklungen im Städtebau zum Beispiel verbindet es nur mit einer Zunahme des Verkehrs. Unberücksichtigt bleibt, daß die Slums in den Metropolen der dritten Welt aufgrund von Armut, Bevölkerungswachstum, Wüstenbildung, Schwund von Anbauflächen, regionalen Konflikten oder politischer Unterdrückung wie Krebsgeschwüre wuchern - diese Liste von Ursachen ließe sich noch verlängern.
Beim Aussterben von Pflanzen und Tieren weisen die Querverbindungen nur auf die Luftverschmutzung, den sauren Regen samt Übersäuerung der Gewässer sowie die Entwaldung hin. In der Tat trägt die rapide Abholzung der Regenwälder am meisten zum Artentod bei. Doch die industriell bedingte Verseuchung von Boden und Wasser, die Agrarchemie, zunehmender Flächenverbrauch für Verkehr, Städtebau und das Militär, Ausweitung der Acker- und Viehzuchtflächen, der Braunkohletagebau und die Bodenerosion haben ebenso ihren Anteil daran.
Auch die Darstellung, der Hunger in der Welt gehe ausschließlich auf das Vordringen von Wüsten und auf Bodenerosion zurück, greift zu kurz. Die wirtschaftlichen und politischen Gründe des Nahrungsmittelmangels berücksichtigt Capra nicht. Zudem beeinflussen die von ihm ins Feld geführten Hunger-Ursachen Treibhauseffekt und Ozonschwund die Welternährung zumindest heute noch nicht, sie können dies allenfalls in der Zukunft tun.
Dennoch, allen Defiziten zum Trotz, ist das Schaubild des US-Physikers ein beeindruckendes Lehrstück über die komplexen Zusammenhänge der Probleme unserer Welt. Es zeigt: Der Mensch kann nicht an einem Teil des Netzes rütteln, ohne alle anderen Teile in Schwingung zu versetzen.
Wächst ein Problembereich über Gebühr an, beeinflußt dies andere Teilsysteme bis hin zum Zusammenbruch - oft an Stellen im Netz, die kein Mensch voraussehen kann. Mehr noch: Rückkoppelungsmechanismen treiben den ökologischen Niedergang voran. Zum Beispiel beim Treibhauseffekt: Spurengase wie Kohlendioxid oder Methan heizen die Atmosphäre auf. Höhere Temperaturen aber setzen im Ozean gelöstes CO2 frei und bewirken, daß aus tauenden Dauerfrostböden Methan entweicht; die zusätzlichen Gasmengen beschleunigen wiederum den Temperaturanstieg. Dabei nimmt sich die Problemlösung - folgt man dem State of the World Report - so einfach aus: Investitionen von 150 Milliarden Dollar pro Jahr könnten die Umwelt global gesunden lassen - ein Bruchteil jener 990 Milliarden Dollar, die jährlich weltweit für Rüstung ausgegeben werden.
(Autor unbekannt, erschienen in natur 1/90 !)


es ist schlimm das es sowas überhaupt gibt...